Internationale Union der Magistrate
Belgische Abteilung

Die internationale Union der Magistrate wurde 1953 in Salzbourg (Österreich) gegründet. Seit ihrer Gründung befindet sich deren Sitz in Rom (Italien), Palazzo di Giustizia, Piazza Cavour.

Das erste Präsidialkomitee der internationalen Union der Magistrate bestand aus nachstehenden Magistraten:

  • Herr Ernesto Battaglini, Generalanwalt beim Kassationshof von Italien.
  • Herr Karl Wahle, Senator-Präsident beim Kassationshof von Österreich
  • Herr Edgar Costa, räsident des "tribunal superior electoral" in Rio de Janeiro (Brasilien)
  • Herr Jean Reliquet, Prokurator der Republik in Versailles (Frankreich)
  • Herr Anton Konrad, Präsident des "Bayerischen Landesgerichts" in München (Deutschland)
  • Herr Alphonse Huss, Gerichtsrat am obersten Gerichtshof im Großherzogtum Luxemburg.

Laut Statuten hat sich die internationale Union der Magistrate, die keinen politischen oder gewerkschaftlichen Charakter besitzt, nachstehende Punkte zum Ziel gesetzt:

  1. Die Sicherung der Unabhängigkeit der richterlichen Gewalt, die eine wesentliche Voraussetzung für die richterliche Funktion und die Gewährleistung der Menschenrechte darstellt;
  2. Die Sicherung der moralischen und verfassungsmäßigen Stellung der richterlichen Gewalt;
  3. Die Erweiterung und Verbesserung der Kenntnisse und der Kultur der Magistrate, indem sie Kontakt mit Kollegen aus anderen Ländern aufnehmen und ihnen gestatten wird, fremde Gerichtssysteme und deren Funktionsweise sowie ausländischen Rechte, insbesondere was ihre Anwendung betrifft, zu entdecken.
  4. Bestimmte juristische Probleme gemeinsam bearbeiten mit dem Zweck, eine bessere Lösung dieser Fälle herauszuarbeiten, sowohl im nationalen Interesse als auch im Interesse der regionalen oder universellen Gemeinschaften.

Diese Ziele werden mit den nachstehend aufgeführten Mitteln realisiert:

  1. Gestaltung von Kongressen und Veranstaltung von Studienausschüssen.
  2. Austausch von kulturellen Verhältnissen.
  3. Förderung und Intensivierung der herzlich freundschaflichen Beziehungen zwischen den Magistraten von verschiedenen Ländern.
  4. Unterstützung des gegenseitigen Beistandes zwischen den Vereinigungen und den nationalen Gruppen; Intensivierung des Informationsaustausches und Förderung der Praktika für Magistrate in verschiedenen Ländern und der Entspannungsaufenthalte.
  5. Sämtliche durch den Zentralrat erlaubte Mittel in Bewegung zu setzen.

Die Magistratenvereinigungen nachstender Länder sind seit deren Gründung Mitglied der internationalen Union der Magistrate: Deutschland, österreich, Brasilien, Frankreich, Irland, Italien und Luxemburg.

Belgien wurde rasch eingeladen, an den Aktivitäten der internationalen Union der Magistrate teilzunehmen. Ein Komitee wurde dann gegründet, um den Beitritt Belgien‘s zur internationelen Union der Magistrate zu realisieren.

Die französischen und italienischen Magistrate vertraten in der internationalen Union der Magistrate ihre eigene Vereinigung oder ihr nationales Komitee. Indem die belgischen Magistrate keine nationale Vereinigung besaßen, konnte der Beitritt Belgien‘s zur internationalen Union der Magistrate nur im Rahmen eines individuellen Beitritts der Magistrate zustandekommen.

Diese Beobachtungen wurden dem Präsidenten der internationalen Union der Magistrate zur Kenntnis gebracht. Im Monat Februar 1956 wurde die belgische Sektion der internationalen Union der Magistrate gegründet. Seitdem hat diese Sektion ständig innerhalb der internationalen Union der Magistrate aktiv mitbewirkt.

Die belgische Sektion wurde durch folgende Magistrate gegründet:

  • Fr. Dumon, Generalanwalt beim Kassationshof, im nachhinein wurde er Generalprokurator bei dieser Gerichtsbarkeit ernannt.
  • R. Polet, Gerichtsrat am Appellationshof Lüttich, im nachhinein wurde er Gerichtsrat am Kassationshof ernannt.
  • C. Schilling, Gerichtsrat am Appellationshof Brüssel.
  • A. de Vreese, Gerichtsrat am Appellationshof Gent, in nachhinein wurde er Sektionspräsident am Kassationshof ernannt.
  • R. Charles, Prokurator des Königs in Brüssel, im hachhinein wurde er Generalprokurator beim Kassationshof ernannt.
  • R. Warlomont, Vize-Präsident am Gericht erster Instanz Brüssel.
  • P. Grondel, Staatsanwalt beim Gericht erster Instanz Brüssel.

Folgende Magistrate haben den Vorsitz der belgischen Sektion nacheinander gehabt:

  • Herr Frédéric Dumont, oben erwähnt.
  • Herr Alphonse de Vreese, oben erwähnt.
  • Herr Raymond Screvens, Präsident des Kassationshofes.
  • Herr Ivan Verougstraete, Präsident des Kassationshofes.
  • Herr Guy Van Gerven, Generalanwalt beim Militärgerichtshof
  • Herr Michel Joachim, Erster Prädident des Appellationshofes Lüttich.
  • Herr Louis Denecker, Prokurator des Königs in Kortrijk
  • Frau Jeanne Prignon, Friedensrichterin des Kantons Fléron.
  • Herr Dominique-Richard Vandorpe, Gerichtsrat am Appellationshof Gent.

Im Augenblick führt Frau Viviane Lebe-Dessard, Gerichtsrätin am Arbeitsgerichtshof Lüttich, den Vorsitz dieser Sektion.

Seit ihrer Gründung hat sich die internationale Union der Magistrate ständig entwickelt.

Sie fasst zur Zeit Magistrate aus 69 Ländern aller Kontitente zusammen. Diese Erweiterung führte zur Bildung von regionalen Gruppen.

Die europäische Gruppe, genauer gesagt die europäische Vereinigung der Magistrate, enthält Magistrate aus 37 Ländern; folgende Länder sind hinzugekommen:

  • Israël
  • die ibero-amrikanische Gruppe
  • die afrikanische Gruppe
  • die ANAO Gruppe (Asien, Ozeanien und Nord-Amerika)

Die internationale Gruppe der Magistrate hat eine beachtliche Studienarbeit geleistet. Drei Studienkommissionen wurden von Anfang an gegründet, die sichjeweils mit der Problematik der Gerichtsorganisation, dem Statut der Magistrate, dem Zivilrecht und dem Zivilverfahren und schließlich dem Strafrecht und dem Strafverfahren befasst haben. Auf Betreiben der belgischen Sektion ist eine vierte Studienkommission hinzugekommen, die sich mit dem Sozial- und dem Verwaltungsrecht befasst.

Die Achtung der internationalen Union der Magistrate gegenüber der belgischen Sektion wird dadurch bestätigt, dass der Vorsitz der Studienkommissionen belgischen Magistraten oft anvertraut wurde:

  • Herr Frédéric Dumon war Vorsitzender der ersten Kommission von 1961 bis 1970.
  • Herr Ernest Krings, Generalprokurator beim Kassationshof war Vorsitzender dieser Kommission von 1976 bis 1995.
  • Herr Guy Delvoie, Kammervorsitzender am Appellationshof Brüssel war Vorsitzender der selben Kommission von 1995 bis 2001.
  • Herr R. Screvens war Vorsitzender der dritten Kommission von 1984 bis 1995.
  • Frau Linda Sevens, Richterin beim Polizeigericht Antwerpen war Vorsitzende der dritten Kommission von 2000 bis 2003.
  • Frau VivianeLebe-Dessard ist Vorsitzende der vierten Kommission seit 2000.

Beim Kongreß der internationalen Union der Magistrate in Nizza (Frankreich) vom 4 bis zum 6 octobre 1972, hatte Alphonse de Vreese den Vorsitz des Quollokiums über "die Adaptation der gerichtlichen Strukturen in Bezug auf das moderne Strafrecht".

Zwischen dem 6. Oktober 1974 und dem 16. Oktober 1976 übte Alphonse de Vreese die Funktion als Präsident der internationalen Union der Magistrate aus, welche davor zwischen dem 13. Juni 1963 bis zum 15. Oktober 1965 Herrn Frédéric Dumont anvertraut wurde. Herr Louis Denecker hat seinerseits die Funktion als Vize-Präsident der internationalen Union der Magistrate zwischen Oktober 1999 und Oktober 2004 ausgeübt.

Die belgische Sektion der internationalen Union der Magistrate ist innerhalb dereuropäischen Regionalgruppe sehr geschätzt. Sie wurde als Verbingungsorgan der Vereinigung der europäischen Magistrate mit der europäischen Union bezeichnet. Sie nimmt als Expert an zahlreichen juristischen Arbeiten teil.

über die Verbindungsmagistrate der internationalen Union der Magistrate bei den Vereinten Nationen in New York und in Genf hat die belgische Sektion regelmäßig im Rahmen der Achtung der Menschenrechte Arbeit geleistet. Außerdem nimmt sie an die Gründung eines Gerichtshofs, der für die Menschenrechte und die Bevölkerungen in Ouagadougou (Burkina-Faso) zuständig ist, teil.

Die belgische Sektion der internationalen Union der Magistrate trägt ebenfalls zu den Arbeiten der "Fundation Justicia in el Mundo" bei. Diese Stiftung est das Organ der internationalen Union der Magistrate im Bereich der Studie und der Recherchen. Ihr Sitz befindet sich in Alicante (Spanien). Sie veröffentlicht regelmäßig Bücher über Vergleichsrechte und kümmert sich um die Bildung der Magistrate.